Gedanken von Regionalbischöfin Sabine Schiermeyer
Sind wir Josef?
Als marodierende Söldnerhorden im Dreißigjährigen Krieg das Innere der uralten Engerhafer Warftkirche verwüsteten, musste alles neu werden. Auch der kostbare Altar mit seiner geschnitzten Geburtsszene.
Eine Maria thront doppelt so groß wie alle anderen in der Mitte. Sie hat keinen Blick für die Hirten, die ihr Baby anstaunen, oder für die Tiere, deren Krippe sie benutzt. Sie schaut aus der Weihnachtsszene heraus direkt in die Kirche. Auf uns. Als ob sie uns fragen will: „Siehst du, was hier geschieht – für dich?“
Wir sollen dieses Wunderbare auf keinen Fall verpassen. Dafür hat der Holzschnitzer gesorgt. Er legte einen Strahlenkranz um den Kopf des Jesuskindes. Die goldene Überschrift am Altar erzählt auch dem Letzten: „Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben“. Der betende Engel beweist, dass hier gerade der Himmel die Erde berührt. Das Leben wird gut: Einer gibt den Tieren Futter. Eine bringt einen Korb mit Köstlichkeiten.
Aber – wo ist Josef? Ist es der, der den Esel füttert, oder der, der an der Krippe kniet? Keiner weiß es. Und ich glaube: Wir sind Josef, die wir vor Altar und Krippe stehen. Wir sollen Vater und Mutter sein für dieses kostbare Himmelskind, das Gott uns in den Arm legen will. Ein Kind ist uns geboren. Wir sollen es beschützen. Wir sollen die Zärtlichkeit und Güte beschützen, mit der uns Gott in diesem Kind beschenkt.
Trotz Kriegsgräuel, Hass und Egoismus in der Welt setzen wir mit dem Krippenkind auf die Liebe.
Ein Sohn ist uns gegeben. Dunkle Wege führen ins Licht.
Ich wünsche Ihnen eine gute Advents- und Weihnachtszeit und Gottes Segen im Neuen Jahr 2026.
Foto Altarausschnitte ev.-luth. St. Johannis der Taeufer Kirche Engerhafe Text Sabine Schiermeyer