Vom ersten Staunen zum eigenen Klang

Pressemitteilung 24. September 2026
Orgelentdeckertage der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers. Quelle: Anna-Kristina Bauer

Marco Lemke (Student) und Melina Schneider (Schülerin) über ihre Wege zur Orgel

Vom 26. September bis zum 9. Oktober laden die Orgelentdeckertage der Landeskirche Hannovers wieder dazu ein, die Orgel zu entdecken. Auch in den Kirchenkreisen des Sprengels Ostfriesland-Ems gibt es zahlreiche Angebote für Kinder und Jugendliche: Kirchenkreiskantorinnen und -kantoren laden Grundschulkinder zu eigenen Entdeckertagen ein. In der Kirchengemeinde St. Johannis Aurich heißt es beispielsweise „Wir entdecken die Orgel“ – mit Orgelführungen und Bastelaktionen. In der Hoffnungskirche Rhauderfehn können Kinder bei Führungen die „Orgelmaus“ kennenlernen. Und für Schülerinnen und Schüler des Kreisgymnasiums St. Ursula Haselünne gibt es an der Marcussen-Orgel der Gustav-Adolf-Kirche in Meppen ein Orgel-Exit-Game.

Doch was passiert, wenn aus der ersten Begegnung mit der Orgel mehr wird? Wenn aus Neugier erst Begeisterung und schließlich der Wunsch entsteht, selbst zu spielen?

Marco Lemke und Melina Schneider haben genau diesen Weg eingeschlagen. Beide nehmen bei Heike Kieckhöfel, Kirchenkreiskantorin Rhauderfehn, Orgelunterricht und erhalten ein Orgelstipendium des Sprengels Ostfriesland-Ems im Kirchenkreis Rhauderfehn. Ihre Wege zur Orgel sind ganz unterschiedlich – ihre Begeisterung für das Instrument verbindet sie.

Marco und Melina, wie seid ihr eigentlich zur Orgel gekommen?

Marco Lemke: Ich gehöre eigentlich zu einer Freikirche, die auch eine Orgel hatte. Während eines Gottesdienstes benutzte der Organist einmal das Tutti, also alle Register. Das fand ich damals unglaublich faszinierend. Jahre später bekam unsere Kirche einen Pop-Kantor, der auch Orgelunterricht anbot. Die Chance habe ich genutzt. Leider dauerte der Unterricht nicht sehr lange, weil er irgendwann keine Zeit mehr dafür hatte. Wenig später wurde unsere Orgel verkauft.

Danach habe ich jahrelang ohne Lehrer für mich selbst in einer anderen kleinen Kirche geübt, bis ich letztes Jahr bei Frau Kieckhöfel gelandet bin.

Melina Schneider: Bei mir war es etwas anders. Ich hatte Klavierunterricht bei meiner Klavierlehrerin von „Takt und Ton“. Sie meinte irgendwann, dass ich auch Orgel spielen könnte, wenn ich möchte. Ich habe es einfach aus Neugier ausprobiert – und war begeistert.

Wenn ihr das Orgelspielen lernen in drei Worten beschreiben müsstet: Welche wären es?

Marco: Abwechslungsreich, ausdauernd, belohnend.

Melina: Anstrengend, zeitaufwändig – aber ein gewaltiger Klang.

Was war bisher euer persönlicher Lieblingsmoment an der Orgel?

Marco: Der Moment, als auf einmal ein Schalter in meinem Gehirn umgelegt wurde. Ich hatte lange Zeit selbst mit den einfachsten Liedern gehadert. Nach einer etwas längeren Pause vom Üben funktionierten diese Lieder plötzlich bedeutend besser. Seitdem lerne ich auch neue Stücke viel schneller.

Melina: Bei mir war es das erste Mal, als ich im Gottesdienst gespielt habe und dabei den Gesang der Menschen hören konnte.

Das klingt nach zwei ganz unterschiedlichen Momenten. Marco, du beschreibst eher das eigene Lernen, Melina das Zusammenspiel mit der Gemeinde. Was macht für euch den Reiz der Orgel aus?

Marco: Ich liebe es, wenn man Stücke mit epischen Schlussakkorden hat, die man am Ende lange aushalten kann und danach noch den Hall hört. Die Orgel ist ja nicht umsonst die Königin der Instrumente.

Melina: Ich mag beides. Wenn ich keine Zeit habe, spiele ich gerne leise. Wenn mir langweilig ist, spiele ich aber auch gerne laut.

Gehört für euch eine Orgel eigentlich zur Kirche dazu?

Marco: Die Frage finde ich schwierig. Ich weiß aus meiner eigenen Kirchengemeinde, dass es auch ohne Orgel geht. Der Verkauf unserer Orgel hat unserer Kirche keinen Abbruch getan. Persönlich finde ich es aber einen großen Verlust, eine Orgel wegzugeben. Wenn ich an Kirche denke, kommt mir automatisch eine Orgel in den Sinn. Sie hat etwas Majestätisches, und das gehört für mich zu einer Kirche dazu.

Gleichzeitig bin ich offen dafür, neuere Musik auf der Orgel auszuprobieren. Nur weil die Orgel ein älteres Instrument ist, muss die Musik ja nicht auf Choräle und Bach beschränkt bleiben.

Melina: Bestimmt geht Kirche auch ohne Orgel. Aber ich finde, eine Orgel gehört zur Kirche. Ich war als Kind schon mehr von der Orgel fasziniert als vom Gottesdienst. Deshalb denke ich, dass eine Orgel einfach dazugehört – oder sonst auch ein Klavier.

Ihr bekommt beide ein Orgelstipendium des Sprengels Ostfriesland-Ems. Was bedeutet das für euren Weg?

Marco: Für mich bedeutet das vor allem, dass ich die Möglichkeit habe, meine Ausbildung weiterzuführen und mich auf diesem Weg weiterzuentwickeln.

Melina: Für mich ist das Stipendium eine gute Stütze. Es hält für mich auch eine berufliche Möglichkeit offen.

Was würdet ihr jemandem sagen, der neugierig auf die Orgel ist, sich aber noch nicht traut?

Marco: Gebt der Orgel einfach eine Chance! Wenn man musikalisch interessiert ist, ist es auf jeden Fall ein Erlebnis, einmal selbst auf der Orgelbank gesessen zu haben. Man muss aber wirklich Geduld und Ausdauer mitbringen. Orgel lernen ist ein langwieriger Prozess. Nach den ersten Wochen merkt man wahrscheinlich schon, ob die Orgel etwas für einen ist. Und wenn man sich entscheidet weiterzumachen: nicht aufgeben!

Melina: Einfach anfangen. Zwei oder drei Probestunden machen – dann merkt man schon, was so eine Orgel eigentlich kann. Ich war wirklich begeistert. Das einzige Problem ist, dass ich als Schülerin wenig Zeit zum Üben habe. Das kann einem schon zum Verhängnis werden. Deshalb würde ich sagen: einfach ausprobieren und so oft üben, wie es geht.

Dann sind die Orgelentdeckertage vielleicht genau der richtige Zeitpunkt, um selbst einmal auf einer Orgelbank Platz zu nehmen.

Marco: Auf jeden Fall. Man sollte der Orgel eine Chance geben.

Melina: Und einfach anfangen.

Maro Lemke und Melina Schneider

Orgelstipendium Sprengel Ostfriesland-Ems

Der Sprengel Ostfriesland-Ems fördert zukünftige Organistinnen und Organisten mit einem Stipendium. Für weitere Informationen auf den Link klicken  Orgelstipendium im Sprengel Ostfriesland-Ems.