Vor einem Jahr wurde Tabea Frinzel – von Regionalbischöfin Sabine Schiermeyer – in Flachsmeer zur Pastorin ordiniert. Heute blickt sie auf ihr erstes Jahr im Pfarramt zurück – auf überraschende Erfahrungen, stille Momente und die Erkenntnis, dass die eigene Intuition manchmal mehr weiß als jede Formalität.
„Ich spüre heute noch das laute ‚Ja!‘ der Gemeinde, das mir den Rücken stärkt.“ Wenn Tabea Frinzel an ihre Ordination vor einem Jahr zurückdenkt, ist es vor allem dieser Moment, der ihr geblieben ist. Im August 2025 wurde sie von Regionalbischöfin Sabine Schiermeyer zur Pastorin ordiniert. Ihren Dienst in der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Flachsmeer hatte sie bereits am 01. Juli begonnen. Seitdem ist Flachsmeer ihr Lebensmittelpunkt.
Dass sie als junge Pastorin mit neuen Ideen und eigenen Standpunkten auf eine offene Gemeinde treffen würde, hat sie in dieser Form nicht unbedingt erwartet. „Mich hat überrascht, mit wie viel Offenheit mir die Gemeinde begegnet ist“, sagt Frinzel. Ihre Erfahrungen im ersten Dienstjahr hätten ihr gezeigt, dass Neues willkommen sein kann – wenn es ehrlich und auf Augenhöhe eingebracht wird.
Dabei war manches im Pfarramt anders, als sie es sich vor der Ordination vorgestellt hatte. „Ich habe die vielen Stunden am Schreibtisch für Büro und Verwaltung unterschätzt. Das glaubt man gar nicht, was da so alles anfällt.“ Zum pastoralen Alltag gehören eben nicht nur Gottesdienste, Seelsorge und Begegnungen, sondern auch Paragrafen, Formalitäten und jede Menge Schreibtischarbeit.
Gerade zwischen diesen unterschiedlichen Seiten des Berufs hat Tabea Frinzel im vergangenen Jahr ihren eigenen Weg gefunden. Besonders wichtig ist ihr dabei die Nähe zu den Menschen. „Mir ist es wichtig, nah an den Menschen zu sein und sie dort abzuholen, wo sie sind“, sagt sie. Ihre Erfahrung in Flachsmeer: „Mit Ehrlichkeit in Auftreten, Kommunikation und Verkündigung kann man ganz viel erreichen. Die Menschen wollen ernst genommen werden.“
Dass dieses Ernstnehmen manchmal bedeutet, gemeinsam auszuhalten, was schwer ist, hat sie in ihrem ersten Jahr besonders erfahren. Auf die Frage, ob es einen Moment gab, in dem sie dachte: „Dafür bin ich Pastorin geworden“, spricht sie nicht von einem fröhlichen Gemeindefest oder einem gelungenen Gottesdienst. Es sind die stillen Momente, in denen Menschen Abschied nehmen müssen. „Es sind die Momente, die vermeintlich am schwersten scheinen“, sagt sie. Gerade dann spüre sie das Vertrauen der Menschen: „Und ich kann da sein und begleiten.“
Auch persönlich hat sie in ihrem ersten Jahr einiges gelernt. Das Pfarramt bringt viele neue Situationen mit sich, in denen Entscheidungen getroffen werden müssen. Schnell könne man sich dabei in Paragrafen und Formalitäten verlieren. Ihre wichtigste Lektion lautet deshalb: „Die erste Intuition ist Gold wert und oftschon die halbe Miete.“
Tabea Frinzel stammt aus Oberfranken, sammelte bereits in der kirchlichen Jugendarbeit Erfahrungen, studierte in Jena, Greifswald und Göttingen und engagierte sich in der Evangelischen Studierendengemeinde. Ihr Vikariat absolvierte sie schließlich in Leer-Loga, bevor sie nach Flachsmeer kam.
Ihr Ordinationsspruch aus dem 1. Korintherbrief lautet: „Wachet, steht im Glauben, seid mutig und seid stark. Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen.“ Ein Jahr später begleitet sie dieser Spruch im pastoralen Alltag – mit neuen Aufgaben, vielen Begegnungen, schönen Momenten und Situationen, die herausfordern.
Und was würde sie ihrem Ich vom Tag der Ordination heute mitgeben?
„Sei gnädig und geduldig mit dir selbst.“
Ein Satz, der vielleicht nicht nur für das erste Jahr im Pfarramt gilt.
Text: Julia Fischer, Pressesprecherin Sprengel Ostfriesland-Ems