Was bedeutet Reformation heute? Für Regionalbischöfin Sabine Schiermeyer bedeutet sie, Gewohntes zu hinterfragen und neue Formen zu finden, wenn Menschen sie brauchen. Dabei geht es nicht darum, das Alte grundsätzlich für schlecht zu erklären. Vielmehr stellt sich die Frage, was Menschen heute von ihrer Kirche brauchen.
Wie herausfordernd und zugleich zukunftsweisend solche Veränderungen sein können, hat Sabine Schiermeyer bei der Entwidmung der Martin-Luther-Kirche in Nordhorn erlebt. Wegen schadhafter Leimbinder in der Decke konnte das Gebäude nicht mehr saniert werden. Für die Gemeinde war der Abschied von ihrer Kirche traurig und schwer. Zugleich gelang es ihr, den Abschied mit einem Dankfest für 70 Jahre Kirchengeschichte zu verbinden.
Die Gemeinde blickte auf das zurück, was sie in den Kirchenmauern erlebt hatte, nahm Abschied und richtete den Blick nach vorn. Künftig soll ein kleinerer Gottesdienstraum im Gemeindehaus Platz für das Gemeindeleben bieten. Über ihm werden bald Kinder in einer neuen Kita spielen.
„Reformation heißt nicht einfach Abriss. Reformation heißt Verwandlung in das, was Menschen von ihrer Kirche brauchen“, sagt Sabine Schiermeyer. Manchmal könne eine solche Veränderung sogar die Rückkehr zu einer früheren Form bedeuten. Entscheidend sei, den Mut zu haben, die Zukunft aktiv zu gestalten.
Dazu gehöre auch, sich von der Vorstellung zu lösen, bestimmte Formen von Kirche seien besonders heilig und deshalb unantastbar. „Dass neuer Wein immer auch neue Schläuche braucht, hat uns schon Jesus hinter die Ohren geschrieben“, sagt die Regionalbischöfin.
Was sich verändern darf – und was bleiben muss
Bei aller Veränderung gibt es für Sabine Schiermeyer etwas, das zum christlichen Glauben unverzichtbar dazugehört: die Freude darüber, von Gott gewollt, gesehen und geliebt zu sein. „Unser Leben kann einen Unterschied und großen Sinn machen. Das ist doch wunderbar!“, sagt sie.
Mit diesem Vertrauen verbinde sich der Auftrag, sich liebevoll um die Menschen in der eigenen Umgebung zu kümmern. Glaube sei nicht nur eine persönliche Angelegenheit, sondern lebe von Gemeinschaft. Oder, wie Sabine Schiermeyer es ausdrückt: „Zum Glauben gehört Mit’nanner, Gemeinschaft!“
Reformation bedeutet für sie deshalb beides: den Mut, kirchliche Formen zu verändern, und die Gewissheit, dass Gottes Liebe und die Sorge füreinander bleiben.
Text: Sabine Schiermeyer