Nordhorn/Schüttorf. „Schenke mir, Gott, ein hörendes Herz.“ Dieser Satz aus dem 1. Buch der Könige begleitet Roswitha Stürmer auf ihrem Weg ins Pfarramt. Am Sonntag, 13. September 2026, wird sie um 15 Uhr in einem festlichen Gottesdienst in der Evangelisch-lutherischen Christophoruskirche in Schüttorf durch Regionalbischöfin Sabine Schiermeyer zur Pastorin ordiniert.
Der Gedanke, Pastorin zu werden, bewegte Roswitha Stürmer schon nach dem Abitur. Doch zunächst führte ihr beruflicher Weg in eine andere Richtung. Die gebürtige Nordhornerin studierte in Marburg und später in Bonn Japanologie und Betriebswirtschaftslehre. Nach dem Studium begann sie eine Managerlaufbahn bei einem internationalen japanischen Unternehmen.
Die Verbindung zur Kirche aber blieb bestehen. Schon als Kind und Jugendliche war sie in ihrer Heimatgemeinde aktiv - im Kindergottesdienst und später in der Konfirmandenzeit. Als Teamerin engagierte sie sich in der Jugendarbeit und übernahm während des Studiums Aufgaben in der Konfirmandenarbeit, zunächst in ihrer Heimat, später in Bonn.
„Kirche ist für mich immer ein Stück Zuhause gewesen“, sagt Stürmer. „Schon in der Kindheit und auch später hat sie eine entscheidende Rolle in meinem Leben gespielt, mich geprägt und mir viele wertvolle und gute Erfahrungen geschenkt.“ Die Erfahrung von Gemeinschaft und das Gefühl, von Gottes Liebe getragen zu sein, seien für sie bis heute wichtig.
Als sie mit ihrem Mann nach Neuenhaus zog, nahm Stürmer wieder Kontakt zu ihrer früheren Heimatgemeinde, der Evangelisch-lutherischen Christus- und Kreuzkirchengemeinde Nordhorn, auf. Dort wurde sie Gemeindehelferin und übernahm Aufgaben in der Konfirmanden- und Jugendarbeit. Immer wieder hörte sie dabei einen Satz, den sie schon aus früheren Zeiten kannte: „Roswitha, du müsstest eigentlich Pastorin sein.“
25 Jahre sollte es dauern, bis sie diesen Gedanken schließlich in die Tat umsetzte. Über die Möglichkeit der Landeskirche Hannovers, eine Ausbildung zur Pfarrverwalterin zu absolvieren, fand sie ihren Weg ins Pfarramt. Nach einer verkürzten theologischen Ausbildung können Pfarrverwalterinnen und Pfarrverwalter in den Dienst der evangelisch-lutherischen Kirche treten. Ihre praktische Ausbildungszeit absolvierte Stürmer in der Evangelisch-lutherischen Markuskirchengemeinde in Sögel, wo sie mit Pastor Matthias Voß zusammenarbeitete.
„Nun fühlt es sich so an, als ob ich den richtigen Platz gefunden habe“, sagt Stürmer über ihren Weg. Für ihre Arbeit als Pastorin ist ihr vor allem eines wichtig: zuzuhören und für die Menschen da zu sein. „Ich möchte ein Stück von dem, was ich an Gutem erlebt habe, weitergeben und auch anderen ermöglichen, Hoffnung und Stärkung zu erfahren.“
Ihr Ordinationsspruch bringt diese Haltung auf den Punkt: „Schenke mir, Gott, ein hörendes Herz.“
Auf ihre neue Gemeinde im Kirchenkreis Emsland-Bentheim blickt Stürmer mit Vorfreude und Neugier. Sie freut sich besonders auf die Begegnungen mit den Menschen und darauf, gemeinsam Neues zu entwickeln und zu gestalten. „Ich bin ganz neugierig, zu erfahren, was sie sich jetzt von ihrer Pastorin wünschen.“
Dabei möchte sie nicht nur für die Menschen da sein, sondern ihnen auch etwas mitgeben. Wenn Menschen nach einem Gottesdienst nach Hause gehen, wünscht sie sich, dass ihnen „ein Wort, ein Satz, eine Geste, ein Gefühl“ bleibt – etwas, das durch die kommende Woche und die Schwierigkeiten des Alltags trägt. „Es wäre großartig, wenn sie ein Stückchen Hoffnung oder Stärkung mitnehmen können aus dem, was im Gottesdienst passiert, an das sie in herausfordernden Situationen zurückdenken können.“
So passt auch ihr Ordinationsspruch zu dem, was Roswitha Stürmer sich für ihren Dienst vorgenommen hat: erst zuhören, dann gemeinsam nach Wegen suchen – und Menschen in ihrem Alltag ein Stück Hoffnung und Stärkung mitgeben.
Text: Julia Fischer, Pressesprecherin Sprengel Ostfriesland-Ems