Ina Jäckel
Pastorin
Kirchenkreis Emden-Leer
Pastorin
Kirchenkreis Emden-Leer
Ich habe für die 27. Landessynode kandidiert, weil ich finde: Wenn sich gerade so viel verändert, dann möchte ich nicht einfach danebenstehen.
Wir merken ja alle, dass Kirche kleiner wird. Weniger Menschen, weniger Geld, viele Fragen. Und ich habe gedacht: Ich möchte nicht nur darüber reden, was alles schwierig ist. Ich möchte mitentscheiden, wie es weitergeht.
In meinem Alltag erlebe ich sehr konkret, was Menschen sich von Kirche wünschen und wo sie innerlich schon ausgestiegen sind: In Gesprächen nach Beerdigungen. Mit Konfis. Mit Eltern. Und auch online in meiner Arbeit in den Sozialen Medien. Diese Erfahrungen will ich nicht für mich behalten, sondern mit hineinnehmen in die Landessynode.
Mir ist wichtig, dass die Entscheidungen, die dort getroffen werden, nicht abgehoben sind, sondern nah dran an der Realität der Menschen in unseren Gemeinden.
Ich glaube, dass Kirche eine Zukunft hat. Aber sie passiert nicht einfach. Wir müssen sie gestalten. Mit Klarheit, mit Mut – und mit einem echten Interesse an den Menschen. Daran möchte ich mitarbeiten.
Mir sind vor allem drei Dinge wichtig: Glaubwürdigkeit, Gerechtigkeit und dass wir eine echte Zukunft haben.
Glaubwürdigkeit heißt für mich ganz schlicht: Wir müssen tun, was wir sagen. Wenn wir von Nächstenliebe reden, dann darf das kein schöner Satz für den Gottesdienst sein, sondern muss im Alltag spürbar werden. In der Art, wie wir entscheiden. Wie wir miteinander umgehen. Wie wir mit Fehlern umgehen. Und dazu gehört für mich ganz klar die konsequente Prävention und die ehrliche Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Kirche. Da darf es kein Wegducken geben. Wir tragen Verantwortung! Menschen müssen sich darauf verlassen können, dass Kirche ein sicherer Ort ist!
Gerechtigkeit heißt für mich: Wer sitzt mit am Tisch? Wer wird gehört? Und wer vielleicht seit Jahren übergangen? Wie verteilen wir Geld? Welche Arbeit wird gesehen – und welche selbstverständlich erwartet? Ich finde, wir müssen da genauer hinschauen. Auch junge Menschen sollen nicht nur freundlich beklatscht werden, sondern wirklich mitentscheiden können.
Und Zukunft heißt für mich nicht, dass wir krampfhaft modern sein müssen. Sondern dass wir ehrlich fragen: Was brauchen Menschen heute von Kirche? Wie sprechen wir so, dass man uns versteht? Wie bleiben wir offen für Veränderungen, ohne unseren Kern zu verlieren?
Ich wünsche mir eine Kirche, die im Evangelium verwurzelt ist – und gleichzeitig beweglich genug, um nicht an sich selbst zu erstarren.
Meine Kirche der Zukunft ist mutig. Und ein bisschen entspannter.
Mutig genug, sich ehrlich anzuschauen, was nicht gut gelaufen ist. Mutig genug, Verantwortung zu übernehmen – gerade wenn es um Aufarbeitung und Prävention geht. Und mutig genug, Dinge zu verändern, auch wenn sie „schon immer so und nie anders waren“.
Und gleichzeitig wünsche ich mir eine Kirche, die nahbar bleibt. Die normal spricht. Die nicht so klingt, als müsste man erst drei Semester Theologie studiert haben, um mitzukommen. Eine Kirche, die zuhört, bevor sie erklärt. Und in die man reinkommen kann, ohne das Gefühl zu haben, man passt nicht richtig rein.
Ich wünsche mir eine Kirche, in der Kinder und Jugendliche nicht irgendwo am Rand mitlaufen, sondern wirklich mitreden. Und in der Schutz selbstverständlich ist – nicht als Konzept auf Papier, sondern spürbar im Alltag.
Für mich ist die Kirche der Zukunft kein Hochglanzprojekt. Sie ist ehrlich. Sie ist lernbereit. Sie ist offen für unterschiedliche Lebensentwürfe. Und sie bleibt dabei klar im Kern: Gott traut uns Menschen etwas zu. Und wir trauen einander auch etwas zu. So sieht eine zukunftsfähige Kirche aus!
Mitglied:
Landessynodalausschuss, Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit, Medien und Kommunikation
Gruppe Kirche in Bewegung